Start Spezialserie: Mann und Frau im DIALOG. Miteinander oder gegeneinander? Der Kommunikationsaspekt in der Genderfrage

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April 2015 , Mann und Frau Im DIALOG Miteinander oder Gegeneinander? Der Kommunikationsaspekt in der Genderfrage , Muderlak Cristina , Serien , Zusammengefasste Autorenliste

Von Cristina Muderlak

In dieser Serie zur geschlechtsspezifischen Kommunikation richtet Cristina Muderlak den Blick auf die Unterschiede in der Sprache von Männern und Frauen. Durch die Analyse der Ungleichheit will sie die oft mit „Gleichheit“ verwechselte Gleichwertigkeit der Geschlechter stärken. Frauen und Männer gewinnen erste Hinweise wie sie in einen verständnisvollen Dialog kommen können, wo sie sich bisher häufig in gegenseitigen Abwertungen und Missverständnissen verlieren.

Feierabend im Aufzug eines Bürohauses meines Kunden: Wir drängten uns dicht an dicht, während der Aufzug an beinahe jedem Stockwerk hielt. Wieder ging die Türe auf. Derjenige der den Aufzug zuletzt betreten hatte, stand breitbeinig vornean und sagte im Brustton seiner Überzeugung zu denen, die draußen standen: „Da geht nichts mehr.“ Die daneben stehende Dame rückte noch zurück und wurde von ihrer dahinter bereits sehr eng stehenden Freundin noch etwas tiefer in den Aufzug hineingezogen. Diese entgegnete den Wartenden: „Nur herein, ein oder zwei kriegen wir bestimmt noch mit!“

Was das mit „Gender“ zu tun hat? Viel! Wer glauben Sie, hat hier „besser“ gehandelt? Sollten Sie sofort eine Antwort finden, haben Sie dabei ggf. das Verhalten ihres „eigenen“ Geschlechts bevorzugt. Warum?

Ich frage dies, weil wir - Frauen wie Männer - sehr leicht verführt sind, das als geschlechtstypisches Verhalten abzuwerten. Wir urteilen darüber, was hier gut und was schlecht ist. War es nicht egoistisch und selbstbehauptend stur, dass der Mann den Aufzugseingang blockiert hat? Womöglich, ja. Da war es doch eindeutig zuvorkommend und umsichtig von den Frauen, Platz zu machen. War es nicht „typisch Frau“, den eh schon knappen Platz noch weiter zu teilen, ganz zu schweigen von der Luft? Womöglich ja, und damit ggf. auch leichtsinnig. War doch angesichts der zum Teil recht schwergewichtigen Menschen im Aufzug die Frage berechtigt, ob nicht doch irgendwann die Höchstlast überschritten sei ?

Wir können also nicht sagen, wer von beiden „richtiger“ gehandelt hat. Weil es darum auch gar nicht geht – zumindest nicht, wenn keine Gefahr für Leib und Leben besteht. Das tut es auch selten, die meisten Aufzüge beispielsweise besitzen ein gutes Sicherheitskonzept. Sie fragen sich, warum ich dieses Beispiel zum Thema Gender Dialog anführe? Nun, es zeigt sehr eindrücklich, dass es bei der sich in vielen Punkten deutlich voneinander unterscheidenden Kommunikationsweise von Männern und Frauen nicht um die Frage geht, wer „es besser macht“. Es geht vielmehr darum, warum es diese Unterschiede gibt, was sich womöglich ergänzt und wo wir uns gegebenenfalls missverstehen, ohne es zu merken.

Die eingangs erzählte Szene ist nicht einmal „typisch deutsch“. Sie spielte sich – ganz aktuell - in einem Bürohaus mitten in der Moskauer Innenstadt ab! Dieses Thema ist beileibe keine Sache nur der deutschen Sprache. Ich erkenne die Muster in verschiedensten Kulturen wieder. Ein Grund mehr, genauer hinzuschauen!

In den folgenden Ausgaben dieses Magazins werde ich Sie in die „Geheimnisse“ der geschlechtsspezifischen Kommunikation einführen. Ich werde zum einen die oft unbekannten Unterschiede aufzeigen, die im Sprechen, Gespräche führen und Zuhören erkennbar sind. Darüber hinaus werde ich Ihnen deren Herkunft und ursprünglichen Sinn erläutern. Last but not least werde ich diese Sinnhaftigkeit in den aktuellen Kontext setzen und Ihnen erste Ideen geben, wie Sie ganz persönlich die Vorteile dieser Unterschiede nutzen können. Denn schließlich geht es im Gender Dialog nicht um einen Wettbewerb, nicht um ein „richtiger“, sondern um ein gelingendes Miteinander!

Die wesentlichste Grundlage für ein gelingendes Miteinander ist der Respekt für einander – unabhängig vom Geschlecht. Das Miteinander von Frauen und Männern braucht den Respekt davor, dass Frauen und Männer absolut gleichwertig sind, aber eben nicht gleich. Ohne diesen Respekt wird gemeinsames Tun keinen Erfolg haben sondern im Gegeneinander stecken bleiben. Das macht nicht nur keinen Spaß, es mindert auch die Qualität der Zusammenarbeit, in Partnerschaft wie in den Unternehmen.

Warum ich mich in diesem Zusammenhang ausgerechnet mit der Kommunikation befasse, ist ganz einfach: Unser Zusammensein lebt von der Kommunikation, ohne sie wäre es ein pures Nebeneinander. Wir müssen nicht einmal sprechen, um zu kommunizieren. Dank unserer „vorsprachlichen“ Vergangenheit ist die nonverbale Kommunikation sowieso stärker, wirksamer, schneller. Als „Adam“ auf der Jagd war, war es für ihn unerlässlich, sich mit seinen Mitstreitern vorwiegend mit Gestik und mit möglichst wenigen Lautäußerungen zu verständigen, um die Beute nicht zu alarmieren. „Eva“ war indes bemüht, ihre Schutzbefohlenen mit viel Zuwendung bei Laune zu halten. Dies gelang ihr mit entsprechend einladenden Gesten und wohlklingendem Singsang, auch, als es noch keine Sprache gab. Ein Säugling, der Worte ohnehin noch nicht versteht, fühlt sich endlos verloren, wenn seine Umgebung nur schweigsam vor sich hin wurstelt und er keine Stimme hört.

Durch unsere Kommunikation kommen wir nicht nur in Kontakt mit anderen, sondern drücken uns dabei auch aus. Wir lassen unsere Persönlichkeit sozusagen „hören und sehen“, was das griechische Wort Per–sona (hindurchklingen) gut wiederspiegelt. Die individuelle Persönlichkeit ist sowohl durch die jeweilige genetische, kulturelle und soziale Herkunft geprägt als auch durch das Geschlecht. Gerade die geschlechtsspezifische Prägung legt den Baustein für ein sich ergänzendes Miteinander zwischen Frau und Mann. Wer diese Unterschiede ausblendet oder gar abwertet, provoziert ein stetiges Missverstehen und Gegeneinander.

Aktuell erleben wir in den Unternehmen eine große Veränderung: Die Frauen fassen nicht nur in den Führungsetagen mehr und mehr Fuß. Das ist aus vielen Gründen erfreulich, allem voran die Chancengleichheit und Bereicherung durch Diversität. Wer meint, in der aktuellen Gender-Mainstreaming Diskussion die realen Unterschiede und deren Wirkung standhaft ausblenden zu müssen, wird dabei weder Frauen noch Männern wirklich gerecht. Solche Einseitigkeit legt Steine auf den Weg der Veränderung. Solange Politik und Gesellschaft auf eine einseitige Frauenförderung setzen, brüskieren sie mit den Männern mindestens die Hälfte der von der Veränderung betroffenen Personen. Mit der nicht wirklich überraschenden Konsequenz, dass es den „Kampf der Geschlechter gegeneinander“ eher verstärkt. Kampfesunlustige Frauen ziehen sich dabei vor den „aggressiven Männerseilschaften“ zurück und erste Männer beginnen zu höhnen: „Seht ihr? Die wollen gar nicht wirklich!“

Frauen! Männer! Lasst euch das nicht gefallen! Redet miteinander, beginnt einander zu verstehen! Ich möchte euch, möchte Ihnen dabei ein Begleiter sein, in dieses Verstehen zu kommen. In meiner langjährigen Tätigkeit als Logopädin, Trainerin und Coach für alle Themen rund um Stimme und Kommunikation habe ich nicht nur jede Menge theoretisches Wissen dazu zusammengetragen, sondern auch viele Beobachtungen und Erfahrungen gesammelt. Das hat mich motiviert, nicht nur meine Kunden, sondern auch Sie, verehrte Leser und Leserinnen daran teilhaben zu lassen. Ich freue mich, wenn ich dadurch dazu beitragen kann, dass Frauen und Männer in einen fruchtbaren Dialog kommen!

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Cristina Muderlak

Logopädin, Coach und Beraterin für Stimme, Kommunikation und Persönlichkeit baut in ihrem Erfolgskonzept darauf auf, dass sich Persönlichkeit und Befindlichkeit in der Kommunikation ausdrücken. Dem Thema Gender widmet sie sich ebenso aus dem Blickwinkel der Kommunikation. Ihre Expertise dazu gewann die berufstätige Mutter von vier Töchtern und Führungskraft in ihrer vielfältigen und langjährigen Arbeit für die internationale Wirtschaft.

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